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Methodik: wie wir Anbieter-Scams identifizieren und verifizieren

Wir veröffentlichen keine ungeprüften Scam-Berichte. Das ist die Methodik, die wir vor jeder Scam-Warnung anwenden, und welche Evidenz wir suchen.

Axel L.
Axel L.
Lead investigator · scam network exposésStockholm

Das ist keine Scam-Warnung zu einem bestimmten Anbieter. Es ist eine Methodikseite, die beschreibt, was wir veröffentlichen, was nicht, und wie Leser:innen Scam-Muster selbst erkennen. Konkrete Scam-Warnungen erscheinen in dieser Rubrik erst, wenn sie die folgenden Kriterien erfüllen.

Warum wir vorsichtig sind

Anbieterreputationen sind leicht zerstörbar und schwer wieder aufzubauen. Ein zu Unrecht beschuldigter Anbieter kann monatelange Arbeit durch einen viralen Post verlieren. Gleichzeitig richten echte Scam-Anbieter echten Schaden an — mindestens finanziell, oft physisch (kontaminiertes Produkt, Fentanyl-Exposition, geleakte Kund:innen).

Wir versuchen, dies zu balancieren, indem wir uns an einem Veröffentlichungsmaßstab nahe dem orientieren, den eine investigative Journalistin für eine kleine Klage anlegen würde.

Was als Evidenz zählt

Starke Evidenz (veröffentlichbar):

  • Mehrere unabhängige Erstberichte mit Order-ID und Zeitstempeln
  • Fotos des empfangenen Produkts, die zu einer bestätigten Verfälschung oder Substitution passen
  • Reagenz- oder Laborergebnisse des Produkts, idealerweise gegen die Behauptung des Anbieters geprüft
  • Verifizierbare Änderungen an der Anbieterseite (z. B. Wallet-Wechsel via archive.org-Diff)
  • On-Chain-Analyse von Wallets, die in etablierten Scam-Datenbanken markiert sind

Schwache Evidenz (allein nicht ausreichend):

  • Ein einzelner anonymer Forenbeitrag
  • Berichte konkurrierender Anbieter oder deren Affiliates
  • „Hat mich beklaut"-Behauptungen ohne Bestelldetails
  • Nicht unabhängig verifizierbare Screenshots
  • Berichte älter als 12 Monate ohne frische Datenpunkte

Was eine Scam-Warnung enthält

Eine von uns publizierte Warnung enthält:

  1. Den Anbieternamen und die Domain(s)
  2. Das spezifische Verhalten (Exit-Scam, Produktsubstitution, Doxx, Fentanyl-Kontamination usw.)
  3. Eine Zeitleiste, wann das Verhalten begann und ggf. endete
  4. Die Evidenzbasis, anonymisiert wo nötig, um Melder:innen zu schützen
  5. Was wir Leser:innen empfehlen (Chargeback, Anzeige bei Behörde X usw.)
  6. Ob und wann wir die Warnung erneut prüfen

Was du als Leser:in tun kannst

Schnelle Checks, die die häufigsten Anbieter-Scams verhindern:

  • Domain-Alter mit WHOIS prüfen. Neue Domains, die etablierte Anbieter imitieren, sind eine Red Flag.
  • Archive.org prüfen für die Anbieterseite über Zeit. Preis- oder Wallet-Änderungen rund um den Scam-Verdacht sind diagnostisch.
  • Wallet-Adressen abgleichen mit öffentlichen Scam-Listen (ScamSearch, Dread-Mirrors für Darknet usw.).
  • Treuhand nutzen, wo verfügbar. Direkt-Pay-Anbieter, die Escrow ablehnen, sind per Definition riskanter.
  • Mit kleiner Bestellung starten. Kein lohnender Anbieter beschwert sich über eine Testbestellung.
  • Glaube den Bewertungen auf der Anbieterseite nicht. Unabhängige Foren, unsere Reviews und direkter Austausch mit dir bekannten Leuten sind höheres Signal.

Verdacht an uns melden

Sende alles an [email protected]. Bitte beifügen:

  • Anbietername und Domain
  • Order-ID und Datum
  • Was beworben vs. geliefert wurde
  • Fotos, Reagenz- oder Laborberichte
  • Ob du den Anbieter kontaktiert hast und die Antwort
  • Ob du zitiert werden möchtest (standardmäßig anonymisiert)

Wir antworten innerhalb einer Woche und sagen dir, ob wir verifizieren können, was fehlt und ob wir mit Veröffentlichung rechnen.