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Reagenz-Testkits richtig benutzen

Praxisleitfaden zum Reagenztest — was Kits tatsächlich sagen, was nicht, und wie du die Farben interpretierst, ohne dich selbst zu täuschen.

Jonas K.
Jonas K.
Lead writer · harm reduction & substance guidesGothenburg

Ein Reagenztest dauert 30 Sekunden, kostet wenige Cent pro Anwendung und ist der wirksamste einzelne Schritt zur Schadensminimierung, den du bei einer gepressten oder unbekannten Substanz machen kannst. Er wird auch routinemäßig falsch eingesetzt. Dieser Leitfaden behandelt die praktischen Details, die in den Anleitungen der Kits gerne ausgelassen werden.

Was ein Reagenzkit tatsächlich tut

Reagenzkits sind kolorimetrische Vortests. Du tropfst eine kleine Menge Säure auf einen winzigen Abschabsel deiner Probe und beobachtest die Farbentwicklung über 30–60 Sekunden. Jedes Reagenz reagiert mit bekannten Verbindungen bekannt. Das Kit bestätigt das Vorhandensein; es bestätigt nicht Reinheit, Dosis oder Abwesenheit von Streckmitteln.

Eine positive Reagenzreaktion sagt dir, dass eine Substanzklasse vorhanden ist. Sie sagt nicht, wie viel oder was sonst noch dabei sein könnte. Deshalb empfehlen wir Mehrfachreagenz-Tests. Verschiedene Reagenzien reagieren unterschiedlich mit verschiedenen Verbindungen, und überlappende Ergebnisse erlauben Triangulation.

Was du brauchst

  • Das Reagenz selbst, gekühlt, in seiner Originalflasche
  • Eine kleine Keramik- oder Glasplatte (oder den Flaschendeckel)
  • Einen Zahnstocher oder eine Rasierklinge zum Abschaben einer winzigen Probe
  • Gute Beleuchtung, idealerweise Tageslicht
  • Eine Referenzfarbtabelle für das spezifische Reagenz und die Substanzklasse
  • Einen Handytimer

Schritt für Schritt

  1. Nimm eine winzige Probe. Ein Reiskorn Pulver, eine Ecke einer Tablette oder 1 mm eines Blotters. Mehr Probe gibt kein klareres Ergebnis; meist ein weniger klares.
  2. Lege die Probe auf eine nicht-reaktive Oberfläche. Weiße Keramik zeigt Farben am genauesten. Vermeide Plastik, manche Reagenzien reagieren damit.
  3. Tropfe das Reagenz darauf. Nur ein Tropfen. Die Flasche soll schweben; berühre die Probe nicht.
  4. Beobachte die Farbentwicklung über 60 Sekunden. Die Reaktion ist oft in den ersten 5 Sekunden am schnellsten, entwickelt sich dann weiter. Notiere die Spitzenfarbe, nicht die Endfarbe.
  5. Vergleiche mit der Referenztabelle für genau dieses Reagenz. Reaktionen variieren stark zwischen Reagenzien. Marquis-Lila ist nicht dasselbe Lila wie Ehrlich-Lila.
  6. Wiederhole mit einem zweiten Reagenz zur Bestätigung. Mit Marquis allein kannst du MDMA nicht von PMA oder PMMA unterscheiden. Und PMA hat bei MDMA-typischen Dosen Menschen getötet.

Häufige Fehler

  • Nur Marquis verwenden. Marquis wird bei MDMA lila-schwarz, aber auch bei PMA, PMMA, Methylon, MDA und einigen anderen. Immer mit Mandelin und Mecke oder Simons (für sekundäre Amine) bestätigen.
  • Farbe falsch lesen. Reagenzfarben entwickeln sich. Die 5-Sekunden-Farbe ist nicht die Endfarbe. Die Spitzenfarbe ist diagnostisch.
  • Schlechtes Licht. Gelbes Innenlicht verschiebt Blau- und Grüntöne deutlich. Verwende ein Fenster, wenn möglich.
  • Altes Reagenz. Reagenzien zersetzen sich. Eine Flasche älter als 12 Monate oder eine, die längere Zeit bei Raumtemperatur gelagert wurde, kann schwache oder verschobene Reaktionen zeigen. Im Kühlschrank aufbewahren.
  • Kreuzkontamination. Ein bereits verwendeter Zahnstocher verfälscht den nächsten Test. Jedes Mal einen frischen verwenden.

Reagenz-Empfehlungen nach Substanzklasse

Wenn du glaubst, du hastTeste mit
MDMA / „Ecstasy"Marquis + Mandelin + Mecke + Simons
LSD / 1P-LSDEhrlich (und bestätige keine Reaktion mit Marquis)
KetaminMorris
KokainScott-Test (drei Stufen)
2C-B, 2C-xMarquis + Mecke + Liebermann
PilzeEhrlich

Wann Reagenztests nicht ausreichen

Bei reinen Substanzen und unbekannten Feststoffen sind Fentanyl-Teststreifen ein separater und notwendiger Test, besonders in Regionen mit bekannter unbeabsichtigter Fentanyl-Kontamination. Reagenzkits erkennen kein Fentanyl.

Für letzte Sicherheit sende eine Probe an einen Drogenchecking-Dienst, falls einer in deiner Region verfügbar ist (z. B. checkit! in Wien, das Schweizer Saferparty-Netzwerk, das spanische Energy-Control-Projekt oder PsyCare-Stände auf Festivals).

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